Durch Medical Training von Anfang an entwickelt mein Hund keine Angst beim Tierarzt.

 

Morgens halb zehn in Deutschland…

Ich betrete mit Oskar, meinem kleinen Welpen, eine Tierarztpraxis. Wir haben einen Termin zum Impfen. Das Wartezimmer ist voll. Es riecht nach anderen Tieren. Und es ist auch teilweise etwas laut hier. Da sitzt ein großer Hund, der wohl sehr aufgeregt ist. Er winselt die ganze Zeit. Ich glaube das macht meinem kleinen Oskar schon etwas Angst. Er drückt sich nämlich ganz fest an mich. Auf der Bank gegenüber sitzt eine Katze in einem Korb. Sie maunzt immer wieder. Als Oskar sie entdeckt, will er gleich hin springen. Er möchte sie sich wohl gerne einmal genauer aus der Nähe ansehen. Das geht natürlich nicht. Der große Hund neben uns hat ihn auch schon angeknurrt.

Plötzlich wird mir bewusst, wie aufgeregt ich bin. Eigentlich weiß ich überhaupt nicht, was heute auf uns zu kommt. Oskar hüpft unruhig auf meinem Schoß hin und her. Es wird immer schwieriger ihn bei mir zu halten.

Nach einer guten halben Stunde sind wir dann endlich an der Reihe. Wir gehen ins Behandlungszimmer. Hier riecht es wieder anders – nach Desinfektionsmittel. Der Geruch ist Oskar anscheinend auch unangenehm, er muss plötzlich niesen. Und ehe wir beide uns versehen, sitzt Oskar schon oben auf dem Behandlungstisch und wird von fremden Händen überall angefasst. Sogar an den Zähnen fummelt ihm jemand herum. Oskar gefällt es überhaupt nicht. Ich habe wirklich mühe, ihn festzuhalten.

Am Ende der Untersuchung gibt es dann die Impfung. `Ist ja nur ein kleiner Piks´, denke ich. Mein Oskar schreit aber auf und springt fast vom Tisch. Ich nehme ihn auf den Arm und verlasse völlig überfahren das Behandlungszimmer. Nun interessiert sich Oskar überhaupt nicht mehr für die Katze auf der Bank. Er will nur noch nach Hause. Und ich eigentlich auch. Das war doch alles zu viel für uns beide. So habe ich mir das irgendwie nicht vorgestellt.

Was war passiert?

Hier kommt ein Mensch mit seinem Hund völlig unvorbereitet in eine unbekannte Situation. Plötzlich von unangenehmen Eindrücken überrascht zu werden, kann Unsicherheit oder auch Angst hervorrufen.

Wie hätte es besser laufen können?

Wenn Mensch und Hund wissen, was sie erwartet, können beide ein neues Ereignis besser verarbeiten. Wir können dem Hund natürlich nicht erklären, dass der Besuch beim Tierarzt nur zu seinem Besten ist. Hunde lernen über das Erleben einer Situation. Sie verknüpfen Ereignisse, die gleichzeitig passieren und speichern das Ergebnis ab. So wird ein eigentlich neutraler Ort wie eine Tierarztpraxis entweder mit angenehmen oder unangenehmen Ereignissen verknüpft.

In unseren Fall hat der Welpe die Tierarztpraxis mit Stress im vollen Wartezimmer und übergriffigen Maßnahmen im Behandlungszimmer erlebt. Wen wundert es, dass er beim nächsten Besuch nicht mehr unvoreingenommen reagieren wird. Er wird vorsichtig oder sogar verängstigt die Tierarztpraxis betreten. Und seine Angst wird mit jedem Besuch größer werden.

Hätte der Welpe im Vorfeld die Gelegenheit gehabt, die Praxis schon einmal ungezwungen kennen zu lernen, hätte er das volle Wartezimmer sicherlich mit mehr Gelassenheit erleben können. Und mit Übungen zu Hause auf die Impfung vorbereitet, wäre der `kleine Piks´ mit Sicherheit ein Klacks gewesen.

Zuerst ist es also wichtig zu wissen, wie der Besuch in der Tierarztpraxis abläuft. Dann kann ich meinen Hund und mich selbst besser vorbereiten.

  • Wir betreten die Praxisräume.
  • Dort begegnen uns andere Tiere und fremde Menschen.
  • Fremde Menschen fassen meinen Hund an.
  • Er wird auf dem Behandlungstisch untersucht.
  • Er bekommt eine Spritze, die ihm etwas weh tun kann.

Wie bereite ich meinen Hund nun konkret darauf vor?

Untersuchen ist schön

Ich übe mit meinem Hund sich überall anfassen zu lassen. Eine solche Übungseinheit kann ich gut mit der Kuschelstunde verbinden. Wir setzen uns irgendwo gemütlich hin. Ich streichele meinen Hund überall. Dabei ist meist schnell zu erkennen, ob es irgendwo Stellen gibt, die ihm unangenehm sind.

Beispielsweise könnte mein Hund immer die Pfote weg ziehen, sobald ich diese in die Hand nehme. Gebe ich ihm nun immer ein Stück Käse, nachdem ich die Pfote angefasst habe, wird mein Hund schließlich sagen: “Ach fass doch noch einmal meine Pfote an, der Käse ist sooo lecker”. Und schließlich wird er vergessen, dass er es eigentlich nicht mag, wenn ich seine Pfote berühre.

Es kann auch mal etwas unangenehm werden

Genauso kann ich üben, das die Berührungen durch Menschen manchmal etwas grob sind. Unter Umständen kann es auch mal etwas weh tun. Dazu ziehe ich anfangs leicht an den Haaren des Hundes. Und gleich darauf gibt es wieder den Käse. So kann ich immer mal wieder unangenehme Situationen üben. Ich könnte den Hund auch mal leicht zwicken.

Natürlich wollen wir unsere Hunde nicht quälen. Die unangenehmen Reize sollen immer nur so klein sein, dass der Hund sie wahrnimmt, aber nicht als wirklich schlimm empfindet. Und anschließend gibt es ja den beliebten Käse oder ähnliches. Etwas Unangenehmes wird also mit etwas Angenehmem verknüpft.

Fremde Orte und Menschen bringen Spaß

Ich zeige meinem Hund verschiedene fremde Orte und gewöhne ihn daran, sich von fremden Menschen anfassen zu lassen. Ich kann auch die Tierarztpraxis ein oder zwei mal vor dem Impftermin gemeinsam mit dem Hund besuchen. Dann lernt er diesen Ort und die dazu gehörigen Menschen ohne Zwang kennen.

Sollte es im Wartezimmer zu voll sein, kann ich einfach wieder gehen. Außerdem habe ich die Möglichkeit, den Besuch so zu gestalten, dass mein Hund keine unangenehmen Erfahrungen macht. Er trifft nette Menschen, die ihm etwas zu fressen geben. Idealerweise darf er sich die Räumlichkeiten einmal ganz ungezwungen anschauen. Und dann gehen wir wieder nach Hause. Der erste Besuch in der Tierarztpraxis wird als ein nettes Erlebnis abgespeichert.

Und was sollte ich selbst beachten?

Wenn ich den Ablauf des Tierarztbesuches kenne, kann ich die entscheidenden Situationen ganz leicht positiv beeinflussen. Der Welpe wird zum ersten Mal auf den Behandlungstisch gestellt, und findet seine Lieblingsleckerchen, die ich zuvor dort hingelegt habe. Wenn das keine Freude hervorruft!

Auch während der Untersuchung kann ich ihm immer wieder Futter auf den Tisch legen oder ihm direkt vor die Nase halten. Natürlich darf die Arbeit des Tierarztes dadurch nicht behindert werden. Aber besser, die Untersuchung dauert etwas länger, als der Hund verknüpft den Besuch in der Tierarztpraxis mit Angst.

In dem Moment, in dem der Tierarzt die Spritze ansetzt, kann ich meinen Hund dann wieder mit seinen Lieblingsleckerchen beschäftigen. Und hier sollte ich nicht sparsam sein. Zur Not darf er eine ganze Hand voll davon fressen. Wenn ich meinen Hund gleichzeitig etwas kräftig am Kopf oder im Nacken graule, dann wird er den kleinen Piks wahrscheinlich überhaupt nicht merken.

Wie sieht mein Fazit aus?

Gehe ich also mit meinem gut vorbereiteten Hund und vielen tollen Leckerchen bewaffnet in die Tierarztpraxis zum Impfen, wird der Welpe sicherlich den Besuch beim Tierarzt trotz Spritze positiv in Erinnerung behalten. Auf diese Weise habe ich den Grundstein für eine stressfreie Zukunft gelegt. Mein Hund entwickelt erst gar keine Angst beim Tierarzt.