Mila war gerade zwei Jahre alt, als ich eine Veränderung an ihrem Gesäuge bemerkte. Ein Besuch beim Tierarzt bestätigte meine Sorge und nur wenige Tage später stand der OP-Termin fest: Das auffällige Gewebe sollte unter Narkose entfernt werden.

Am Freitagmorgen brachte ich sie in die Praxis, am Nachmittag durfte ich sie wieder abholen.
Als sie mir entgegentaumelte, war sie kaum wiederzuerkennen: noch benommen von der Narkose, schwankend, erschöpft und mit einem großen Halskragen um ihren Kopf. Ich war erleichtert, sie wieder bei mir zu haben. Doch was dann geschah, werde ich nie vergessen.

 

Wieder zu Hause

Zuhause angekommen, brachte ich Mila ins Schlafzimmer. Doch statt sich in ihr Körbchen zu legen, um zu schlafen, blieb sie einfach davor stehen. Die Augen fielen ihr zu, die Beine gaben nach – und trotzdem versuchte sie immer wieder, sich aufrecht zu halten. Hinlegen mit dem Halskragen? Unmöglich. Jede Bewegung schien ihr unangenehm, ja fast unerträglich.

Während mein erster Hund nach einer OP problemlos mit dem Kragen zurechtkam, war er für Mila ein störender Fremdkörper. Er nahm ihr nicht nur die Bewegungsfreiheit, sondern auch die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.
Es war schlimm, sie so zu sehen – todmüde, aber unfähig zu schlafen. Ich machte mir Sorgen und fühlte mich gleichzeitig machtlos. Gerade jetzt, wo ihr Wohlbefinden doch oberste Priorität hatte, damit sie sich von dem Eingriff erholen konnte.
Ich setzte mich zu ihr, nahm den Kragen ab und wir legten uns gemeinsam aufs Sofa. Die ganze Nacht blieb ich wach, um sicherzugehen, dass sie die Wunde in Ruhe ließ. Am nächsten Tag besorgte ich ihr einen Body. Auch das war nicht perfekt, aber damit kam sie deutlich besser zurecht.

 

Heute sind wir vorbereitet

Diese Nacht liegt inzwischen fast zehn Jahre zurück, aber sie hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Sie hat mir gezeigt, wie hilflos ein Hund in solchen Momenten sein kann und wie wichtig es ist, als Halter*in vorausschauend zu planen und zu handeln. All das hätte Mila (und mir) erspart bleiben können, wenn sie den Halskragen vorher gekannt hätte.
Damals war mir gar nicht in den Sinn gekommen, so etwas gezielt zu üben. Dabei wäre es so einfach gewesen.

 

Im Nachhinein haben wir den Kragen spielerisch trainiert – ohne Druck, in kleinen Schritten und mit viel Freude. Heute steigt Mila freiwillig hinein, der Kragen ist für sie kein Problem mehr:

 

Genauso behandle ich seitdem auch andere, scheinbar alltägliche Dinge. Das Anziehen von Halsband, Geschirr oder Mantel üben wir ebenfalls vorab und in Ruhe. Denn ich möchte nicht, dass jeder Spaziergang mit Stress oder Unwohlsein beginnt.

 

Wie geht es dir damit?

Vielleicht kennst du auch die Situation, dass ein Hund beim Anblick des Geschirrs oder der Leine zurückweicht oder sogar unter dem Sofa verschwindet? Das lässt sich durch Medical Training ändern!
Es geht dabei nicht nur um Ausnahmesituationen wie Blutabnahmen oder das Tragen eines Halskragens. Es beginnt im Alltag – bei all den kleinen Handgriffen, die für uns selbstverständlich sind, für unsere Hunde aber erst einmal ungewohnt oder unangenehm sein können.
Weil es Handlungen zum spaßigen Trick werden lässt, die vorher unangenehm waren.
Weil es unseren Hunden hilft, schwierige Situationen besser zu bewältigen.
Weil es uns hilft, sie dabei zu unterstützen.
Und weil es uns beiden Sicherheit und Vertrauen schenkt – wenn es darauf ankommt.

 

Autorin: Stephanie Rembiak
  • Hundetrainerin
  • Medical Trainerin

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