Mit meinem Bericht möchte ich dir Mut machen, dran zu glauben, dass dein Training erfolgreich ist bzw. sein wird und ich möchte dich motivieren, immer weiter zu trainieren, weil es sich lohnt!

 

Unsere Ausgangslage war die folgende:

Jack, Australian Kelpie, und ich haben vor 2 Jahren mit dem Medical Training begonnen. Damals war er ca. 2 Jahre alt. Er ist ein sozial unsicherer Hund und hat Probleme (gehabt), mit allen möglichen sich bewegenden Reizen. Menschen liebt er, aber reagiert emotional völlig über, wenn er von einem (unbekannten) Menschen Aufmerksamkeit bekommt, oder eine Begrüssungssituation entsteht.
So ist er anfangs zwar in die Tierarztpraxis rein gestürmt, war dann aber so aufgeregt, dass an Stillhalten nicht zu denken war. Kein Sitz, Platz oder sonstiges Signal hat funktioniert. Die dort arbeitenden Menschen wären von ihm ohne Leine über den Haufen gerannt worden.
Eine Untersuchung hat demnach nur bedingt, sehr oberflächlich, meistens sogar gar nicht, stattfgefunden. Geimpft wurde mit viel Aufregung, festhalten liess er sich nämlich auch nicht.
Bei meinem Training kam noch als Schwierigkeit dazu, dass er leider gar nicht motiviert war, mitzumachen und Futter auch nebensächlich war. Das lag dran, dass er komplett überfordert war, v.a. mit den Reizen draussen. Drin war er dann so erschöpft, dass er viel und tief geschlafen hat und nicht zum Trainieren zu bewegen war.
Ausserdem war natürlich die ganze Trainingssituation anfangs neu und somit unsicher für ihn.

 

Unsere ersten Schritte

Mit der Zeit war das Training in kleinen Schritten aber immer besser möglich und wir fingen schon früh an, beim Tierarzt zu üben. Anfangs sah es so aus, dass wir im Wartezimmer saßen und alles ruhig beobachtet haben. Es gab immer auch einen Schnüffelteppich oder die Liqui-Bowl.

 

Die entscheidende Veränderung

Der wirkliche Durchbruch kam aber erst, als wir in einer neuen, noch nicht negativ belegten Praxis bei Dr. Claudia Keller ein Praxisseminar mit Nicole abhielten.
Dort ging es zunächst darum, eine Happy Visit zu gestalten, also den Tierarztbesuch nicht wie einen solchen aussehen zu lassen, sondern dem Hund eine schöne, entspannte Zeit zu bereiten, ggf. auch mit (Such-)Spielen.
Mein weiteres Tierarzttraining hat dann nur noch dort stattgefunden. Zum Glück ist die Praxis so offen, kooperativ und hilfsbereit und hat mir sämtliche Besuche ermöglicht, anfangs ohne einen weiteren Menschen im Raum. Nach und nach konnte ich den Tisch auftrainieren und die
Grunduntersuchungen.
Ab und zu habe ich auf die Hilfe der TPAs zurückgegriffen, so dass auch mal eine weitere Person involviert war.
Am Anfang des Trainings bin ich zum Impfen nochmals in eine andere Praxis gegangen, weil ich keine negative Erfahrung für Jack wollte am neuen Ort.

Dann war die nächste Impfung fällig und ich beschloss, dass es in der Praxis bei Claudia klappen sollte. Es war eine andere Tierärztin da, die Jack noch nicht kannte.
Zu dem Zeitpunkt konnte er schon einigermassen auf dem Tisch stehen bleiben und sich angucken und teilweise auch anfassen lassen. Die Impfung selber haben wir auf dem Boden gemacht. Ich konnte ihn ein wenig festhalten und er hat kurz ausreichend gut stillgehalten.
Das war zwar schon mal ein Erfolg, aber noch nicht genug, also haben wir weiter geübt.

 

Das lange Training hat sich gelohnt

Vor kurzem stand dann wieder eine Impfung an und noch schlimmer: Kontrolle der Analdrüsen!
Wobei Jack sich natürlich nicht wirklich gern am Hinterteil anfassen lässt.
Ich habe alles so vorbereitet, wie immer und auch einen Plan gemacht für die Begrüssung mit Claudia (sie steht leicht abgewandt, hat Futter in der Hand und streut es auf den Boden, meistens geht danach ein Sitz).
Jack ist danach ohne grosses „Überreden“ auf den Tisch gesprungen. Den Tisch hoch- und runterzufahren ging zum Glück von Anfang an unproblematisch.
Wir haben direkt mit der Impfung angefangen. Ich stand neben Jacks Kopf, Claudia auf der anderen Seite in Hüfthöhe. Wir haben abgesprochen, dass sie ihn erst einige Male berührt, was ich gemarkert und gefüttert habe. Dann hat sie ihn fester berührt, danach eine Hautfalte genommen plus
mit der anderen Hand auch noch berührt usw. Wir haben den ganzen Vorgang in sehr kleine Schritte aufgeteilt und diese jeweils wiederholt. Bei jedem Schritt war Jack vollkommen entspannt und so konnten wir immer relativ schnell zum nächsten weiter gehen. Das Pieksen selber ging auch sehr gut. Ich hab ihn gehalten und fest gekrault und er hat wirklich keinerlei Anzeichen gezeigt, dass er etwas unangenehm fand.
So war das Wichtigste geschafft. Aber dann kamen ja noch die Analdrüsen.
Auch da haben wir das Ganze in sehr kleine Schritte aufgeteilt, jeweils gemarkert und hochwertig belohnt. Und siehe da – eine Seite der Analdrüsen musste sogar ausgedrückt werden und selbst das hat geklappt ohne eine Regung oder Bewegung von Jack! Ich konnte es beinahe nicht fassen! So toll hat er es noch nie gemacht. Selbst nach der Behandlung ist er freiwillig direkt wieder auf den
Tisch gesprungen.

 

Das alles war für mich vor 2 Jahren unvorstellbar!

Wie habe ich das geschafft?

Wir haben regelmässig vor Ort trainiert. Jedes Mal habe ich mir vorher einen Plan gemacht, was ich üben will. Ich bin immer nur so weit gegangen, wie Jack es gut geschafft hat.
Anfangs habe ihm einfach nur einen Schnüffelteppich hingelegt, viel mehr ging leider nicht, da er viel zu aufgeregt war. Der Schnüffelteppich wurde ein fester Teil des Ablaufs:
Wenn Jack ins Zimmer läuft, liegt er dort bestückt bereit, so dass er direkt beschäftigt ist. Danach lasse ich ihn im Zimmer schnüffeln und gucken, was es Interessantes gibt.

Für den Tisch, den wir zu Hause schon trainiert haben, habe ich eine bestimmte rutschfeste Matte, auf die er gerne geht. Der Schnüffelteppich liegt, wenn Jack auf dem Tisch ist, auch dort vor ihm, so dass er erst wieder eine Runde Futter suchen darf.
Dadurch, dass ich immer alles gleich gestalten kann, bekommt er eine gewisse Routine und weiss, was als nächstes kommt. Das gibt ihm Sicherheit.

 

Das Wichtigste ist aber die Zusammenarbeit mit dem/der Tierarzt/in.

Ich durfte immer sagen, wie der Ablauf sein sollte, wo geimpft und untersucht wird, wann die Tierärztin zur Tür rein kommt und vor allem bei der Untersuchung, wie diese aussehen soll.
Die haben wir immer gestaltet wie ein Training, nur dass eben noch eine Person im Raum anwesend war, aber auch sehr kleinschrittig, ruhig und mit hochwertiger Futterbelohnung.
Hat man ein Tierärzteteam, das sich etwas auskennt mit Medical Training, ist das sehr von Vorteil.
Aber es ist auch schon hilfreich, wenn die behandelnde Person nach unseren Anweisungen mitmacht.

Ohne so eine Kooperation wird es allerdings sehr schwierig bis unmöglich, die Behandlung entsprechend zu gestalten. Es ist für mich so wertvoll, dass ich dort alles so gestalten darf, wie ich es möchte und Jack es kennt und gewohnt ist, dass ich (als Patientenbesitzerin!) Anweisungen
geben darf an die Tierärzte, was für Handgriffe wie am besten sind und noch besser ist es natürlich, wenn der Tierarzt/die Tierärztin selber eine Idee hat, wie das Training funktionieren könnte. Das ist bei Claudia der Fall und Gold wert!
Ein Baustein ist also unser Training und die Vorbereitung, die Routine und Rituale.
Der andere Baustein besteht in der Zusammenarbeit mit der behandelnden Person. Das gilt natürlich auch für Hundephysios, Friseur etc.

 

Gemeinsam kann man dann (fast) alles schaffen.

Bleib also dran am Training, suche dir wenn möglich die passenden Praxen und Menschen, die dir gerne helfen und glaub an den Erfolg! Ich bin überzeugt, dass der auf jeden Fall kommt, wenn man immer weiter trainiert!

 

 

Autorin: Diana Neumann
  • Medical Trainerin in Ausbildung
  • Verhaltenstherapeutin
  • Mentalcoach

Homepage: www.dididog.ch